Parentifizierung
Parentifizierung ist, wenn ein Kind für die emotionalen oder praktischen Bedürfnisse eines Elternteils verantwortlich gemacht wird und Fürsorgerollen übernimmt, die zu einem Erwachsenen gehören, bevor es dafür bereit ist.
Es gibt zwei Formen. Die praktische lässt ein Kind den Haushalt führen, auf jüngere Geschwister aufpassen, kochen, Rechnungen zahlen, alles zusammenhalten, weil niemand sonst es tut. Die emotionale Form ist leiser und oft schwerer: Das Kind wird zum Vertrauten, Tröster und ruhenden Pol eines Elternteils und managt die Launen und Sorgen eines Erwachsenen.
Die Rolle kann sich damals gut anfühlen. Gebraucht zu werden bringt eine Art Stolz und einen Platz in der Familie. Doch die eigenen Bedürfnisse des Kindes gehen unter, weil kein Raum für sie ist, und es lernt: Liebe verdient man sich, indem man für andere sorgt. Niemand ist da, der fragt, was es will, also hört es auf, sich selbst zu fragen.
Erwachsen wird daraus oft reflexhaftes Überfunktionieren und People Pleasing. Du fühlst dich für das Wohl aller verantwortlich, kommst schwer zur Ruhe, solange jemand in deiner Nähe leidet, und eine Bitte um Hilfe kannst du fast nicht abschlagen. Zu sehen, wo das Muster begann, kann den Griff des Glaubens lockern, dass dir Fürsorge nur zusteht, wenn du sie gibst.