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Verstrickung

Verstrickung ist eine Familiendynamik, in der die Grenzen zwischen den Menschen verschwimmen, sodass die Gefühle, Entscheidungen und die Identität eines Einzelnen alle etwas angehen und eigene Abgrenzung sich illoyal anfühlt.

Der Familientherapeut Salvador Minuchin beschrieb Verstrickung in seinem strukturellen Familienmodell: Beziehungen, die so eng verbunden sind, dass die Mitglieder kein klares Gefühl mehr dafür haben, wo sie aufhören und andere anfangen. Nähe ist der Wert, und Distanz gilt als Bedrohung. Privatsphäre, eine andere Meinung, ein eigenes Leben, jedes davon kann sich wie ein kleiner Verrat an der Gruppe anfühlen.

Wer darin aufwächst, übernimmt: Deine Gefühle gehören nicht nur dir. Die Angst eines Elternteils wird zu deiner Angst, die du beruhigen musst. Dessen Enttäuschung wird zu einem Problem, das du lösen sollst. Vielleicht hast du nie gelernt zu fragen, was du willst, weil die Bedürfnisse der Familie immer zuerst kamen und etwas Eigenes zu wollen riskant wirkte.

Als Erwachsener kann das so aussehen: Schuldgefühle für eine Entscheidung, die deine Familie nicht treffen würde, die Unfähigkeit, einen geliebten Menschen mit seinem eigenen Unbehagen sitzen zu lassen, und ein Nebel da, wo deine eigenen Vorlieben sein sollten. Eine Grenze zu setzen fühlt sich hier weniger wie ein Limit an, mehr wie das Durchtrennen einer Nabelschnur. Diese Wucht ist das Muster, das spricht, und es lohnt sich, langsam hinzuhören.

Zum Leitfaden Grenzen setzen bei den Eltern

Quellen

  • Salvador Minuchin (1974), 'Families and Family Therapy' (strukturelle Familientherapie, Verstrickung).

Zuletzt geprüft 2026-06-12