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Die 90-Sekunden-Regel

Die 90-Sekunden-Regel ist der Gedanke, dass die chemische Welle eines Gefühls in etwa 90 Sekunden abebbt, wenn du sie durchziehen lässt, ohne sie zu füttern. Die Neurowissenschaftlerin Jill Bolte Taylor beschrieb dies in ihrer Arbeit über das Gehirn.

Taylor beschrieb, wie nach dem Auslösen eines Gefühls die Botenstoffe durch den Körper fluten und in rund anderthalb Minuten abklingen. Was ein Gefühl darüber hinaus am Laufen hält, ist die Geschichte, die du wiederholst und die dieselben Botenstoffe erneut feuert. Die Welle selbst ist kurz. Die Schleife ist es, die sie endlos wirken lässt.

Für Grenzen ist das wichtig, denn das Schuldgefühl oder die Angst nach einem Nein ist eine Welle wie jede andere. Es fühlt sich an, als bliebe es für immer, und meist tut es das nicht. Wenn du das Unbehagen anderthalb Minuten aushältst, ohne dein Nein eilig rückgängig zu machen, erreicht die Welle ihren Höhepunkt und verläuft von selbst.

Neunzig Sekunden sind eine nützliche Schätzung, keine Stoppuhr. Gefühle sind verschieden, und die Zahl beschreibt die chemische Welle, nicht jedes Echo danach. Der Kern bleibt: Die erste Welle ist überlebbar, und sie vergeht schneller, als die Angst vor ihr vermuten lässt.

Zum Leitfaden Die 90-Sekunden-Regel: Ein Gefühl aussitzen lernen

Quellen

  • Jill Bolte Taylor (2008), 'My Stroke of Insight' (die etwa 90 Sekunden dauernde chemische Lebensdauer eines Gefühls).

Zuletzt geprüft 2026-06-12