Fußabtreter
„Fußabtreter" ist das Wort, das hochkommt, wenn man sich übergangen fühlt: Die eigenen Bedürfnisse zählen nicht, und man sagt trotzdem weiter ja. Es beschreibt die Angst, so behandelt zu werden, nicht einen Makel an dir.
Das Wort kommt nachts um eins, nachdem du wieder eine Schicht übernommen hast, die du nicht wolltest. Du fühlst dich ausgenutzt, und eine leise Stimme nennt dich einen Fußabtreter. Das tut weh, weil es klingt wie ein Urteil über deinen Charakter. Das ist es nicht.
Unter dem Wort steckt meist ein Beschwichtigungsreflex, den dein Nervensystem vor langer Zeit gebaut hat. Ein Kind, das Frieden hält, indem es mitmacht, lernt: Wer pflegeleicht ist, bleibt sicher. Dieser Reflex schaltet sich nicht ab, wenn man erwachsen wird. Also sagst du ja, bevor du geprüft hast, ob du überhaupt willst, und erst später kommt der Groll.
Der Wandel beginnt damit, das Muster als gelernte Fähigkeit zu sehen und nicht als persönliches Versagen. Du warst nicht schwach. Du hast dich auf die einzige Weise geschützt, die damals funktioniert hat. Dieselbe Aufmerksamkeit, mit der du alle anderen gelesen hast, kann sich langsam dem zuwenden, was du selbst willst.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Harriet Braiker (2001), 'The Disease to Please: Curing the People-Pleasing Syndrome'.
Zuletzt geprüft 2026-06-12